Hip Hop - Entstehung und Entwicklung
Fast jeder vierte, neuere Song, der im Radio, vor allem aber auf Musiksendern wie MTV oder VIVA, gespielt wird, ist ein HipHop-Song, oder beinhaltet Rap-Passagen. Nun stellt sich die Frage: Was ist HipHop überhaupt?
Um die Entstehung und Entwicklung des HipHop verfolgen zu können, müssen wir in der Zeit ungefähr 200 Jahre zurückreisen. Eine Art Vorläufer des HipHop entwickelte sich nämlich schon um das Jahr 1800. Die Sklaven auf den Plantagen in Afrika versuchten, sich die Arbeit durch Singen zu erleichtern. Das Singen wurde bald durch Klatschen und Fingerschnipsen erweitert. Wenn wir an diese Geräusche denken, kommt uns der Ausdruck „Beats“ in den Sinn, der den Rhythmus bezeichnet, nach dem dann gesungen oder in moderneren Zeiten, auch gerappt wurde.
Begeben wir uns als nächstes in die späten 70er des 20. Jahrhunderts. In den „Ghettos“, den Armenvierteln, besonders herausragend die Bronx in New York, fanden sich hauptsächlich junge Leute in verfallenen Fabrikgebäuden zusammen, um hier ihre eigenen Partys steigen zu lassen, da sie für Diskotheken in den besseren Gegenden New Yorks kein Geld hatten. Hier traten sie als DJs auf, legten Platten auf und übertrafen sich gegenseitig beim sog. „Scratching“. Ein gewisser Kool DJ Herc kam bald auf die Idee, nicht nur eine, sondern zwei Platten aufzulegen und so zu spielen, dass sie zu einem einzigen Stück wurden. Außerdem war der DJ dafür zuständig, die Menge anzuheizen. Das tat er, indem er den Leuten immer wieder Dinge wie „Hey, Mikey ist auch da...!“ zurief. Bald wurde ein weiterer Sprecher hinzugezogen, der MC, Master of Ceremonies, genannt wurde. Dieser MC begnügte sich nun nicht mehr nur mit ein paar Sätzen, er reimte ganze Songs, um sich die Gunst des Publikums zu erkämpfen.
Der Name der neuen Musikrichtung wird durch Hip (in, trendy) und Hop (Party, Bewegung) zu HipHop. Nun gilt es, HipHop vom Rap zu unterscheiden.
Rap (zuerst pochen, klopfen, später dann ausplaudern) ist eine der Säulen, aus denen sich der HipHop zusammensetzt. Diese Säulen sind Rap, Graffiti, Breakdance, Djing und in gewisser Weise auch der allgemeine Style der Rapper. HipHop wird oft nicht nur als Musikrichtig, sondern auch als Lebensgefühl/Lebensart bezeichnet. Ebenfalls gibt es zwei herausragende „Zeitalter“:
Old School 1979-1984
Dies war die Zeit, in der der Hip Hop bekannt und immer wieder verbessert wurde, auch wurden weniger Slangausdrücke verwendet, als das jetzt der Fall ist. Allerdings gab es auch Tiefpunkte, da der „Beatbox“-Sound bald eintönig wurde.
New School 1984-1990
Endlich konnte Dank einer neuen Erfindung, des Samplers, der Beat variiert werden. Auch erkannten viele MCs zu dieser Zeit, dass sie mit ihrer Musik die Menschen erreichen und einiges verändern konnten. Ihre Texte wurden anspruchsvoller und hatten eine ernste Message.
Außerdem kann HipHop in weitere Gruppen eingeteilt werden. So z.B. in eine aggressive und eine eher poppige Form:
Die aggressive Form wird als Gangsterrap bezeichnet und entwickelte sich ebenfalls in den Ghettos. Bandenkriege und politische Ungerechtigkeiten wurden nicht mehr mit den Fäusten, sondern mit giftigen Reimen bekämpft. Dagegen entwickelte sich vor allem in den letzten Jahren eine Art von HipHop, die schon zur Popmusik gezählt werden kann und nur noch wenig mit Rassenkonflikten zu tun hat.
An diesen Beispielen kann man deutlich sehen, wie sehr HipHop sich im Laufe der Jahre verändert hat. Und auch was die Verbreitung dieser Musikrichtung angeht, hat HipHop enorme Fortschritte gemacht. Noch im Jahr 1976 war der HipHop in der Entstehungsphase, und ausschließlich in den amerikanischen Ghettos bekannt. Heute, knapp 30 Jahre später taucht der Musikstil wieder auf. Und nicht nur das: Auf Plakaten werben immer seltener Pop-Sternchen für trendy Sandalen. Die Rap-Stars sind in und mit ihnen HipHop-Klamotten – Angefangen bei Ketten, Uhren und Armbändern, bis hin zu übergroßen Basketball-Shirts und Baggy-Jeans. Der HipHop ist auf dem Vormarsch und scheinbar keiner kann ihn aufhalten. Und doch versuchen immer wieder Mengen von besorgten Eltern, Randgruppen und Politikern die „Droge HipHop“ zu verbieten. Grund für ihre Rage sind die teilweise frauenfeindlichen und homophobischen Texte, die hauptsächlich in der „Gangster-Szene“ zu finden sind. Mit Protesten und Tourverboten in manchen Ländern versuchen sie, die Jugend vom HipHop fernzuhalten. Doch von Jahr zu Jahr verlieren sie an Autorität in dieser Sache. Wer kann eine solche Bewegung verhindern, die Tausende, Millionen von Fans hinter sich hat?
Wer weiß, vielleicht löst sich das Problem von selbst. Der Markt scheint teilweise überstrapaziert: ständig tauchen neue Rap-Wunder auf, die sich den HipHop-Thron erkämpfen wollen. Ist es möglich, dass der HipHop sich selbst zerstört? Die ständige Präsenz der Produkte immer und überall auf der Welt kann verheerende Folgen für die neue Musikrichtung haben
Ebenso möglich ist jedoch das genaue Gegenteil dieser These: HipHop wird sich womöglich auch in den nächsten Jahrzehnten weiterverbreiten. Schon vor Ausbruch der HipHop-Manie brodelte das Verlangen danach, die Menschen zu erreichen, ihnen auf einzigartige Weise beizubringen, nicht die Augen zu verschließen und auf das zu hören, was andere ihnen vielleicht einreden wollen. „Denke selbst, sei eigenständig und finde deine innere Stimme“ – Dies sind die Leitsprüche des HipHop. Keine andere Musikrichtung verstand es bisher, ihre Messages – wenn denn welche vorhanden waren – so unter’s Volk zu bringen, dass millionen von Menschen sich angesprochen fühlten. Die Zeiten ändern sich, der HipHop mit seinen Botschaften ebenso. Er passt sich an – an Ereignisse, Poliktik und den Menschen an sich.
Eine eindeutige Voraussage lässt sich demnach nicht treffen, da keine der beiden Thesen dominiert. Es bleibt uns nichts übrig, als abzuwarten, welche sich in den nächsten Jahren durchsetzen wird. Wir dürfen gespannt sein.